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Selbstgespräch 2021 / 3 - 2 (Schnauze voll)







Selbstgespräch 2021 / 3-2
(Schnauze voll)

„Ich bin dermaßen enttäuscht, ich habe es satt, mir steht es Oberkante Unterlippe, ich könnte nur noch kotzen“ … so häufen und steigern sich die Aussagen zum omnipräsenten Thema Corona, Lockdown und Lockerung in meinem Umfeld und Bekanntenkreis. Selbst mein friedliebender und besonnener Jugendfreund, seines Zeichens Sozialwissenschaftler, konnte Fäkalausdrücke beim letzten virtuellen Treffen in Bezug auf die Bundespolitik nicht mehr zurückhalten. Die ohnmächtige Wut, diese tiefsitzende Enttäuschung, der massive Vertrauensverlust aufgrund einer fürchterlich Trägheit der Verantwortlichen in Bund und Land ist allgegenwärtig. Ich habe das Gefühl in einem Staat zu leben, der sich zu einer Karikatur seiner selbst wandelt. Das massive Staatsversagen ist überall spür- und hörbar und auch ich kann der geballten Wut in mir nur Luft machen, indem ich laut rausschreibe:                          
                           
                              ICH HABE DIE SCHNAUZE GESTRICHEN VOLL

In keiner Weise habe ich auch nur die kleinsten Sympathien oder gar Verständnis für Coronaleugner, Querdenker, Verschwörungstheoretiker, Wutbürger und deren Parolen. Menschen, die mit Rechts- und Linksextremen unter deren Fahnen für sich in Anspruch nehmen für Freiheit und das Volk einzutreten, spreche ich jegliche Legitimation ab.  

Im Gegensatz dazu habe ich größte Achtung vor jedem der zu einer rationalen Diskussion bereit ist. Mein demokratisches Selbstverständnis sagt, das der
kritische Bürgersinn die politischen und gesellschaftlichen Prozesse hinterfragen muss und soll. Auch in dieser jetzt so fürchterlichen Zeit muss der Musterbürger nicht jede vermeintliche Wahrheit, Argumentation unwidersprochen hinnehmen und Existenz bedrohende Corona-Beschlüsse als Gott gegeben ertragen.

Ich gehöre zu den maßlos aufgewühlt Enttäuschten, zu jenen die erfahren müssen, wie regulierungswütige, selbstgefällige, profilierungssüchtig rumschwafelnde Minister*innen unser Land runterlockdownen. Der übermäßige Bürokratismus, die hohlen und inhaltlosen Durchhalteparolen und Floskeln, die Korruption hinter den Masken von Mitgliedern des Bundestages, all das lässt mich unglaublich wütend zurück.
                              
Ich habe es satt mich täglich von Informationen bombardieren und durch Talkshowreisezirkusse, Corona-Spezial-Spezialisten für dumm verkaufen zu lassen. Das noch immer etwa 50 Prozent der Bevölkerung darauf vertraut, dass die Regierung die Bekämpfung der Pandemie mit Sachverstand und allen Mitteln richtig macht, kommt einem Urvertrauen in den von Mutti geführten Staatsapparat und in die Landesfürsten gleich. Wer allerdings ohne Test- jedoch mit einer Wahlkampfstrategie Schulen und Kitas öffnet, handelt in höchster Weise verantwortungslos und kann nicht auf den Bund zeigen, Schule ist Ländersache oder Kreis oder Stadt oder …   

Ich kann es nicht mehr hören warum es mit dem Testen und Impfen nicht funktioniert, warum die Corona-Warn-App keine Nachverfolgung zulässt und nicht über eine QR-Funktion als Registrierung in Geschäften, Gastronomie und Kulturbetrieben verfügt. Ich schäme mich in Grund und Boden vor unseren Kinder das Deutschland noch immer im Bildungs- und Privatbereich ein digitales Entwicklungsland ist. Ich kann es nicht mehr ertragen das Soforthilfeauszahlungen nur teilweise oder gar nicht ankommen, dass Hausärzte noch immer nicht impfen dürfen. Ich kann die Betroffenheitsgesichter unserer Berliner- und Landesminister*innen nicht mehr sehen, wie sie augenscheinlich Gemüt und Akten beschwert den aufgeblähten Bürokratismus als probates Mittel zur Entschuldigung nutzen.
Vorbei die Zeit als beim ersten Lockdown Deutschland zum weltweit positiven Beispiel in der Pandemiebekämpfung avancierte. Ungenutzt verstrichen die Möglichkeit im letzten Sommer eine Test- und Impfstrategie auf Basis ausreichenden Impfstoffes und der Einbindung der Hausärzte zu planen.
Es gibt genügend Beispiele kluger Konzepte von Öffnungsstrategien wie in Israel, England, Irland, Dänemark und auch den USA. Selbst in Städten wie Rostock und Tübingen wird innovativ und unbürokratisch umgesetzt was bundesweit scheitert. Die beste Strategie zur Bekämpfung der Pandemie ist schnelles Impfen und stetiges Testen. Das wussten unsere Berliner Staatslenker auch schon im Sommer 2020. Das deutsche Unternehmen Biontech hat allerdings bis heute nicht verstanden, warum man sich nicht letztes Jahr ausreichend vom in Deutschland produzierten Impfstoff Einheiten gesichert hat. Man beschloss fataler Weise für alle EU-Staaten über die EU-Verwaltung zu bestellen. Ein Verwaltungskrake übergibt an ein noch größeres Verwaltungsmonster und Merkel, Spahn und Söder schauten stillschweigend zu, wie unter der Verantwortung der deutschen Allzweckwaffe Ursula von der Leyen mörderisch um Preis und zu wenig Impfstoff gepokert wurde. Den Rest bis zum Desaster erledigte das Missmanagement und bravouröse Versagen einer regulierungs-süchtigen föderalistischen Bürokratie. Damals bei der Finanzkrise haben Merkel und Co. es souverän geschafft mit schneller und unbürokratischer Hilfe Finanzinstitute zu retten.

Ich habe den Amtseid den Angela Merkel und ihre Bundesminister*innen vor den Mitgliedern des Bundestages also vor uns geleistet haben mal eingefügt: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Gott wird nicht helfen aber Entbürokratisierung, Pflichterfüllung und offensives schnelles Machen. Ich bin mir sicher, wären wir Bankenkrise, Lufthansa oder Autoindustrie oder … wären bestimmt innovative schnelle Lösungen als Öffnungsstrategien in der Umsetzung.  

Made in Germany steht mittlerweile als Synonym für großflächig politisches Versagen im Ausland in hoch im Kurs. Vom Organisationsweltmeister nun der Abstieg zum Problemschüler, dessen Versetzung mehr als stark gefährdet ist und in dessen Zeugnis folgendes steht.  
Impfen - zu wenig und zu spät
Tests – zu spät
Digitalisierung – nicht bewertbar
Man war stets bemüht, scheiterte jedoch an Bürokratismus, Inflexibilität und abstrusen Regeln, an mangelnder Kreativität, an ernsthafter Alternativsuche und durch inkompetentes Krisenmanagement.

Der Tom
15.03.20221