HOFNACHT

Hofnacht
 

Die uralte Tanne
begreift sich dunkel
eine Rotte Mauersegler
zirpt noch Flugspiele
zwischen den Dächern
während der Abend fällt
mit geröteter Stirn
ganz tief ins Dunkel

Semmelblass behäbig
am alten Turm empor
steigt ein fahles Lächeln
vom Mann im Mond
und das Land zerfällt
knisternd in Gänze
Schatten um Schatten
vereint in Schwarz
 
Fensterflügel gespreizt
wimmern leise Träume
der heulmüden Kindern
verfangen sich in Wäsche
zur Nacht hin aufgeleint
an Laternen gelehnt
dösen abgestellte Autos
im träge fallenden Schein

Sterne funkeln ewig weit
Stücke von Hoffnung herab
das Kerzenlicht fremdelt
mit Gelassenheit und Ruhe
an der Hofleuchte ein Tanz
in freier Choreographie
ein Flattern und Wirbeln
zum verglühenden Final

Die Blüten falten sich
den Duft nach innen
so bunt verschlossen
schlafen sie Gärten fort
gespannte schwarze Weite
sternbebilderte Vertraute
der Ort verleitet ungefreut
zum Fallen in die Höhe

Schwarzgemaltes Land
Konturen ohne Namen
bilden Mythen aus
Stunden entwirren sich
fallen vom Tagesknäuel
flüstern in den Ohren
Schlaf sickert aus Fassaden
träge von Schaf zu Schaf

Weiterziehendes Lächeln
blassweiße Freundlichkeit
die Gedanken pochen
wuchern in den Träumen
wie Schattenwurf im Licht
Glocken schwingen dumpf
die Zeit gegen die Nacht
Wellenschlag auf der Haut 

Stunde neben Stunde
Kaugummi kauend
auf zerfließenden Dächern
über dem Landstück
ein einziger tiefer Spalt
so tief bis schwarz
grenzenlos sich verlaufend
in bodenloser Unendlichkeit

Erlösende erste Turmschläge
früher Morgen pellt sich
erste vage Prophezeiung
Geräusche kriechen vor
das Schwarz verfärbt sich 
errötend bis Silberblau
ein neues Versprechen
so lang ich denken kann

Der Tom
07.08.2021

www.tomkleinremnsing.de