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Selbstgespräch 2020 / 05

 

Während der 01. Mai in Berlin traditionell von Randale suchenden Linksautonomen missbraucht wurde, frohlockdownte der Rest der Bevölkerung beim diesjährigen
„DisTanz in den Mai“ auf dem Sofa. Man huldigte solidarisch abgesondert bis in die frühen Morgenstunden dem Tag des eingeschränkten Daseins und verbliebener Arbeit 2020. Ganz Deutschland feierte verhaltend und voller Verständnis, inklusive den 10,1 Millionen Kurzarbeitern, Tendenz steigend, und den im April 307.000 von der Arbeit befreiten Neuzugängen bei der Agentur für Arbeit, Tendenz auch steigend. Alle noch vereint in einem verbindenden solidarischen Gemeinschaftsgefühl, in Gedanken an die neuentdeckten systemrelevanten Berufe sangen in den in Heimarbeit gefertigten Nase-Mund-Masken die Hymne „Wir bleiben zuhause“.

 

So stellen sich die Verantwortlichen des Shutdowns das wohl vor. Am Anfang war es so, sogar mit Gemeinschaftsklatschen. Schauen wir mal wie viel Systemrelevanz und Respekt bei Ottonormalverbraucher und in den nächsten Tarifverhandlungen übriggeblieben ist. Als Basis für die landesweite Stallboxenhaltung von mehr als 80 Millionen dienen die täglichen Zahlen des RKI und der Hopkins Uni ohne Gewähr und bekannter Dunkelziffer. Denn die Wissenschaftler und Virologen haben keine Ahnung wie hoch die Dunkelziffer in puncto Infizierte, Geheilte und somit die Korrektheit der Reproduktionszahl ist, 10mal X oder wieviel X mal X? Repräsentative Testreihen hätten durchaus Licht ins Dunkel bringen können. Aber bei der staatlichen Forschungseinrichtung RKI muss mit Licht gehaushaltet werden, damit es an populärer Stelle neben dem Schwarzlicht in dieser pandemischen Krise auch kleine Lichtblicke geben kann, ohne Gewähr und bekannte Dunkelziffer. Jetzt fragt sich der versierte Profitipper, was sich hinter „Ohne Gewähr“ beim Lotto und seinen zwei Richtigen verbirgt und ob es beim staatlichen Glücksspiel nicht auch eine Dunkelziffer gibt.    

 

Aufgrund des Shutdowns zeigt sich auf Basis der offiziellen Statistiken im Moment Positives in Bezug auf den bundesweiten Krankheitsverlauf, wenn auch ohne Gewähr und bekannter Dunkelziffer. Zum Beispiel, dass ungefähr 0,7 Prozent eines Nichtinfizierten durch einen zu 100 Prozent Infizierten infiziert wird!? Das ist Statistik ohne Gewähr und bekannter Dunkelziffer. Die offiziellen Zahlen der Hopkins Uni vom 01. Mai sagten aus, dass es in Deutschland 163.009 Infizierte gab, also 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung, ohne Gewähr und bekannter Dunkelziffer. Davon wurden 126.900 als geheilt eingestuft, ohne Gewähr und bekannter Dunkelziffer. Bedauerlicher Weise verstarben bis zum 01. Mai 6.623 Menschen in Verbindung mit Covid-19, ohne Gewähr (Gewehr US Schreibweise) und bekannter Dunkelziffer. Somit waren 29.486 Menschen, Junge und Alte, vorerkrankt oder top fit, also 0,04 Prozent der Deutschen am 01. Mai 2020 infiziert, ohne Gewähr und bekannter Dunkelziffer.

 

Es ist doch berechtig, ohne als Verschwörungstheoretiker oder Unsolidarischer und Empathieloser gebrandmarkt zu werden, zu fragen warum damals bei der Influenza 2017/18 trotz der Möglichkeit der Impfung und der Bekanntheit des Virus es laut RKI tragischer Weise 25.100 Verstorbene in Verbindung mit der Erkrankung zu beklagen gab. Etwa 9 Millionen Arztbesuche und 5,3 Millionen Krankschreibungen registrierte das RKI in knapp 9 Monaten. Nicht zu vergessen, dass mehr als 45.000 Menschen mit schweren Verläufen auf Intensivstationen eingeliefert werden mussten. Laut Robert Koch Institut sind das Zahlen mit Gewähr auf Basis flächendeckender und repräsentativen Untersuchungen. 

Nicht gestutzt habe ich als bekannt wurde, dass Deutschland sein Klimaziel 2020 erreichen wird. Ob nun ein allgemeines Umdenken der Sozialdistanzierten oder Gretas „friday for future“ daran einen Anteil haben, kann noch nicht eindeutig festgestellt werden. Ich vermute weder das eine noch das andere sind ausschlaggebend.

Eher zählt der Fakt, dass die Kraniche der Lufthansa wie die meisten anderen Blechvögel quasi in der Mauser flugunfähig am Boden bleiben und der Autoverkehr um mehr als ein Drittel abgenommen hat. So wie sich der Bauchumfang bei 90 Prozent der Zwangsgesperrten rasant zunimmt, so verringert sich das Fahrgastvolumen bei Bus und Bahn bis auf verbliebene 10 Prozent. Wie sagte schon Merz im März:“ Der Staat kann nicht allen helfen.“  

 

Das verordnete Ruhen des Einzelnen und ganzer Industrien, das Ab-in-den-Zwangsurlaub für viele Reisebüros, das geschlossene auf den nicht vorhandenen Umsatz  umsatzsteuerreduzierte Hotel- und Gaststättengewerbe zeigt der bundesweite Shutdown grüne Wirkung und feinstaubfreie Innenstädte. Saubere Umwelt für die mittellose Bewohnerschaft. All die kleinen und mittelständigen Unternehmer, Gastronomen und Hoteliers, den Einzelhändler, die Lohnabhängigen sowie die vielen Künstler, Kulturschaffenden, Freiberufler und Selbstständigen brauchen neben Ökologie auch die Ökonomie um eine saubere Umwelt mitzugestalten. Auch ein grüner Daumen nach unten in Richtung Insolvenz lässt kaum positive Gefühle beim Einzelnen zu.   

 

In Angesicht der schwersten Rezession seit der Nachkriegszeit, wie Peter Altmeier schwergewichtig verkündete, bin ich nicht überrascht von einem Gerd Müller (CSU), Chef des Entwicklungsministeriums, kuriose Aussagen wie:„Die Corona-Krise ist ein Weckruf an die Menschheit, mit Natur und Umwelt anders umzugehen. Ein Auslöser der Pandemie liegt auch am Raubbau an der Natur, in der Rodung der Regenwälder,“ zu hören.
Auch der bajuwarische Scheinriese Söder oder der Aachener Printenhobbit Laschet noch die rautierende Kanzlerin können mit ihren Statements die aufkommende Unruhe im nervös, auf dem Zahnfleisch gehenden Mittelstandsland nicht stoppen. Der Vorwurf eines eigentlich seriösen Ranga Yogeshwar, seines Zeichens Wissenschaftsjournalist, das er den Stimmungsumschwung gegenüber Virologen, dem Shutdown und gegenüber der Politik nicht verstehe ist nicht hilfreich. Er wundert sich tatsächlich, dass die Maßnahmen nicht als Erfolg gefeiert werden und man sich nicht wie verrückt über den bislang glimpflichen Verlauf im Vergleich zum EU-Nachbarn freut. Er fragt ob jemand die Feuerwehr abschaffen würde, nur weil es ein Jahr lang nicht gebrannt hat. Nein Herr Yogeshwar hätte man nicht!

 

Bei einem Brand gibt es in den allermeisten Fällen eine Versicherung und einen Anspruch auf Entschädigung des Verlustes oder die Kostenübernahme zur Wiederherstellung, vorausgesetzt man hat seine Beiträge gezahlt. Der jetzige unkontrollierte Flächenbrand, der hervorgerufen durch Widersprüchlichkeiten aus Wissenschaft und Politik weiter angefacht wird, führt zu einem kaum beherrschbaren finanziellen und gesellschaftlichen Kahlschlag. Nicht der Bürger muss verstehen und verantworten, warum er abgebrannt ist.
Statt Einheit löscht jetzt jede Landesregierung wie sie will.  

 

Könnte man nicht einen Teil der gezahlten Steuern und Abgaben der Unternehmer, Selbständigen, Freiberufler, Künstler, Arbeitnehmern von allen als Beiträge für eine staatliche Versicherung sehen? Eine Art staatliche Versicherung die im Fall von höherer Gewalt wie Corona eintritt. Nach Abzug eines 30prozentigen Solidaritätsabschlages von der zu erstattenden Schadenssumme des Einzelnen können die Mehrkosten im Gesundheitssystems, der Schutz von Risikogruppen und die Sicherung der Arbeitswelt, mitfinanziert werden. Der Logdown-Mensch bekäme 70 Prozent Endschädigung als Schadensausgleich, sowas wie ein Grundsicherungseinkommen oder Kurzarbeitergeld 4.0 um zu überleben. 

Tom Kleinrensing, 02. Mai 2020